Was früher ein Standard in nahezu jeder Stellenanzeige war, wirkt heute oft austauschbar und wenig überzeugend. Gerade vor dem Hintergrund steigender Erwartungen von Bewerbenden, wachsender Transparenzanforderungen und neuer gesetzlicher Entwicklungen verliert die Floskel „attraktive Vergütung“ zunehmend an Wirkung.
Aus Sicht einer Recruitingagentur erleben wir bei 40fieber immer häufiger, dass Unternehmen viel Zeit in die Formulierung ihrer Stellenanzeigen investieren, dabei aber an entscheidenden Stellen an der Realität moderner Bewerber vorbeikommunizieren. Eine dieser Stellen ist das Thema Gehalt.
„Attraktive Vergütung“: Eine der meistgenutzten Floskeln im Recruiting
Wer regelmäßig Stellenanzeigen liest, stößt immer wieder auf dieselben Versprechen:
- attraktive Vergütung
- leistungsorientierte Bezahlung
- marktgerechtes Gehalt
- faire Entlohnung
Das Problem dabei: Diese Aussagen sagen praktisch nichts aus. Was für den einen Bewerber attraktiv ist, empfindet der nächste als Durchschnitt. Ohne konkrete Informationen bleibt die Formulierung interpretationsbedürftig und damit letztlich wertlos. Aus Bewerbersicht entsteht häufig sogar Skepsis:
„Wenn das Gehalt wirklich attraktiv wäre, warum nennt das Unternehmen dann nicht wenigstens eine Gehaltsspanne?“
Genau diese Frage stellen sich immer mehr Kandidaten.
Die Arbeitswelt wird transparenter
Die Erwartungen von Bewerbenden haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
Während früher viele Kandidaten das Gehalt erst im Vorstellungsgespräch thematisierten, erwarten heute immer mehr Menschen bereits in der Stellenanzeige konkrete Informationen zur Vergütung.
Diese Entwicklung wird zusätzlich durch gesetzliche Rahmenbedingungen verstärkt.
Das derzeitige Entgelttransparenzgesetz verfolgt das Ziel, Entgeltgleichheit zu fördern und Vergütungsstrukturen nachvollziehbarer zu machen. Gleichzeitig bringt die europäische Entgelttransparenzrichtlinie zusätzliche Anforderungen mit sich. Arbeitgeber werden sich zunehmend mit der Frage beschäftigen müssen, wie transparent sie ihre Gehaltsstrukturen kommunizieren. Unternehmen sollten bereits im Rahmen der Vertragsanbahnung und im Recruitingprozess transparenter über Vergütung informieren.
Unabhängig von der konkreten gesetzlichen Umsetzung zeigt sich bereits heute ein klarer Trend:
Gehaltstransparenz ist kein Nice-to-have mehr, sondern wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor im Recruiting.
Warum Bewerber mehr Transparenz erwarten
Der Fachkräftemangel hat die Kräfteverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt verschoben.
Bewerber möchten heute:
- wissen, ob eine Stelle finanziell zu ihren Erwartungen passt
- unnötige Bewerbungsprozesse vermeiden
- einschätzen können, wie fair ein Arbeitgeber vergütet
- Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Arbeitgebern schaffen
Eine Stellenanzeige mit der Aussage „attraktive Vergütung“ beantwortet keine dieser Fragen. Stattdessen entsteht zusätzlicher Aufwand für beide Seiten:
- Der Bewerber bewirbt sich möglicherweise auf eine Position, die finanziell nicht passt.
- Das Unternehmen investiert Zeit in Gespräche, die später am Gehalt scheitern.
Mehr Transparenz führt daher häufig zu einer höheren Passgenauigkeit der Bewerbungen.
Das eigentliche Problem: Austauschbarkeit
Noch gravierender als die fehlende Transparenz ist jedoch die Austauschbarkeit solcher Aussagen.
Nahezu jedes Unternehmen behauptet von sich:
- familienfreundlich zu sein
- ein tolles Team zu haben
- spannende Aufgaben zu bieten
- attraktiv zu vergüten
Dadurch unterscheiden sich viele Stellenanzeigen kaum noch voneinander. Für Bewerber entsteht der Eindruck:
„Das schreiben doch sowieso alle.“
Genau deshalb verlieren klassische Benefits-Listen und Standardformulierungen zunehmend an Überzeugungskraft. Der entscheidende Faktor ist heute nicht mehr, was Unternehmen behaupten, sondern wie glaubwürdig sie ihre Aussagen belegen können.
Was Bewerbern wirklich wichtig ist
In unseren Recruiting-Projekten beobachten wir immer wieder, dass Bewerber weniger auf Schlagworte und mehr auf konkrete Einblicke reagieren.
Interessant sind beispielsweise:
- Wie sieht der Arbeitsalltag tatsächlich aus?
- Wie gehen Führungskräfte mit Mitarbeitern um?
- Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
- Wie werden Entscheidungen getroffen?
- Was macht die Unternehmenskultur aus?
- Warum arbeiten bestehende Mitarbeiter gerne dort?
Diese Fragen beantworten keine Benefits-Listen. Sie lassen sich nur durch authentische Einblicke vermitteln. Genau deshalb wird Employer Branding immer wichtiger.
Employer Branding ersetzt keine gute Vergütung, macht sie aber sichtbar
Natürlich bleibt das Gehalt ein wichtiger Faktor bei der Arbeitgeberwahl. Doch Gehalt allein gewinnt heute selten den Wettbewerb um Talente.
Unternehmen müssen zusätzlich zeigen:
- wofür sie stehen
- welche Werte sie vertreten
- welche Kultur sie leben
- warum Menschen gerne dort arbeiten
Interessanterweise verlieren viele Unternehmen Bewerber bereits lange vor einer Bewerbung, weil ihre Arbeitgebermarke unklar ist. Eine fehlende Positionierung sorgt für zu wenige Bewerbungen, unpassende Kandidaten und einen höheren Recruitingaufwand.
Die Frage lautet daher nicht mehr nur:
„Wie attraktiv ist unsere Vergütung?“
Sondern:
„Wie sichtbar sind wir als attraktiver Arbeitgeber?“
Die Stellenanzeige ist nicht mehr der wichtigste Recruiting-Kanal
Viele Unternehmen behandeln die Stellenanzeige noch immer als zentrales Recruiting-Instrument. Tatsächlich treffen Bewerber ihre Entscheidung jedoch oft deutlich früher. Sie recherchieren:
- auf LinkedIn
- auf Instagram
- auf TikTok
- auf der Unternehmenswebsite
- auf Bewertungsplattformen
- in ihrem persönlichen Netzwerk
Oft entsteht der erste Eindruck lange bevor eine Stellenanzeige überhaupt gelesen wird. Wer dort sichtbar ist und Vertrauen aufbaut, startet mit einem erheblichen Wettbewerbsvorteil.
Wie eine Recruitingagentur dabei helfen kann
Genau hier setzt moderne Recruiting-Beratung an. Anstatt lediglich Stellenanzeigen zu optimieren, unterstützen Recruitingagenturen Unternehmen dabei, eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Authentischer Employer-Branding-Content
Mitarbeitergeschichten, Einblicke hinter die Kulissen, Projekte oder Führungskräfte-Interviews schaffen Glaubwürdigkeit. Menschen vertrauen Menschen deutlich stärker als Werbeaussagen.
- Sichtbarkeit auf Social Media
Viele Unternehmen sind dort nicht präsent, wo potenzielle Bewerber ihre Zeit verbringen. Regelmäßiger Content sorgt dafür, dass Kandidaten das Unternehmen kennenlernen, bevor überhaupt Personalbedarf entsteht.
- Entwicklung einer klaren Employer Value Proposition (EVP)
Was unterscheidet das Unternehmen von anderen Arbeitgebern?
Welche Vorteile sind tatsächlich einzigartig?
Welche Versprechen können langfristig eingehalten werden?
- Recruiting jenseits von Floskeln
Eine gute Arbeitgeberkommunikation verzichtet auf austauschbare Aussagen und ersetzt sie durch konkrete Nachweise. Anstelle von:
„Wir bieten eine attraktive Vergütung“
funktionieren häufig deutlich besser:
- konkrete Gehaltsspannen
- transparente Entwicklungsmöglichkeiten
- reale Mitarbeiterstimmen
- Einblicke in Unternehmenskultur und Arbeitsalltag
Fazit: „Attraktive Vergütung“ reicht heute nicht mehr aus
Die Zeiten, in denen Bewerber durch allgemeine Floskeln überzeugt werden konnten, neigen sich dem Ende zu.
Steigende Erwartungen an Transparenz, die Entwicklungen rund um das Entgelttransparenzgesetz sowie ein zunehmend wettbewerbsintensiver Arbeitsmarkt sorgen dafür, dass Unternehmen klarer kommunizieren müssen. „Attraktive Vergütung“ ist dabei oft nicht falsch, aber zu unspezifisch, um Vertrauen aufzubauen oder sich von Wettbewerbern abzuheben.
Erfolgreiches Recruiting entsteht heute nicht durch Standardformulierungen, sondern durch Transparenz, Glaubwürdigkeit und eine sichtbare Arbeitgebermarke. Wer Talente gewinnen möchte, sollte deshalb weniger darüber nachdenken, welche Floskeln in die Stellenanzeige gehören, und stärker darüber, wie das eigene Unternehmen als Arbeitgeber erlebbar wird.
Denn am Ende bewerben sich Menschen nicht auf Schlagworte, sondern auf Unternehmen, denen sie vertrauen.